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Entwicklungstrends

Der demografische Wandel ist kein Ereignis, welches auf einmal alles Vorherige verändert. Es vollzieht sich allmählich. Im Alltag sind seine Phänomene deshalb nur schwer auszumachen.

Daten sind die Grundlage zur Bewertung und Interpretation der demografischen Entwicklung. Die Bevölkerungsstatistik wurde durch die Veröffentlichung der Zensusergebnisse auf eine neue Grundlage gestellt. Zum Stichtag 9. Mai 2011 wurde in Deutschland nach mehr als 20 Jahren wieder eine Volks-, Gebäude- und Wohnungszählung durchgeführt, der Zensus 2011. Die Fortschreibung des Bevölkerungsbestandes erfolgt ab 2011 somit auf der neuen Datengrundlage.

Die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung bis 2025 wird mit der 5. Regionalisierten Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen beschrieben, die die Sächsische Staatsregierung am 30. November 2010 als aktuelle Datengrundlage für den Freistaat Sachsen beschlossen hat. Die Ergebnisse stellen eine wichtige Planungsgrundlage für staatliche, kommunale und andere gesellschaftliche Akteure dar. Analysezeitraum für die Ermittlung der Trends und Strukturen der 5. Regionalisierten Bevölkerungsprognose waren die Jahre 2005 bis 2008 (Bevölkerungsfortschreibung auf Basis der Registerdaten vom 3. Oktober 1990). Die den entsprechenden Indikatoren zugrunde liegenden Daten der Bevölkerungsprognose wurden nach der Veröffentlichung der Zensusergebnisse nicht angepasst.

Die wesentlichen heute schon klar erkennbaren demografischen Entwicklungstrends für Sachsen sind:
  • Entwicklungstrend 1: Einwohnerzahl und Alterung
    Für Sachsen wird eine rückläufige Einwohnerzahl und zunehmende Alterung mit regional unterschiedlicher Intensität beider Entwicklungen prognostiziert.
  • Entwicklungstrend 2: Durchschnittsalter
    Das Durchschnittsalter wird weiter stetig ansteigen.
  • Entwicklungstrend 3: Altersstruktur
    Die Anteile der verschiedenen Altersgruppen werden sich verschieben. Der Anteil der 65-Jährigen und Älteren, insbesondere der Hochbetagten wird deutlich ansteigen, während sich die Zahl der Jüngeren verkleinern wird. Die Bevölkerung im Erwerbsalter wird deutlich stärker schrumpfen und altern.
  • Entwicklungstrend 4: Bevölkerungsdichte
    Die Bevölkerungsdichte vor allem in peripheren Gebieten wird weiter sinken.
  • Entwicklungstrend 5: Geburten
    Die Geburtenziffer (Anzahl der Kinder je Frau im gebärfähigen Alter) wird auf ähnlichem Niveau bleiben und weiterhin nicht das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Geburten je Frau erreichen. Die Zahl der Geburten wird sich verringern. Ursache ist die rückläufige Anzahl der potenziellen Mütter. Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt wird weiter ansteigen.
  • Entwicklungstrend 6: Bevölkerungsbewegung
    Das Geburtendefizit (Saldo der natürlichen Bevölkerungsbewegung) wird die bestimmende Größe bei der künftigen Bevölkerungsbilanz bleiben. Die Einwohnerzahl des Freistaates wird sich in den nächsten Jahren weiterhin durch Abwanderung vermindern.
  • Entwicklungstrend 7: Lebenserwartung
    Die Lebenserwartung wird sich weiter erhöhen. Zu erwarten ist, dass sich der Abstand zwischen der Lebenserwartung von Männern und Frauen weiter reduziert. Die aktive Lebenszeit wird sich für viele Menschen verlängern. Durch die erhöhte Lebenserwartung wird ein Vier-Generationen-Lebenszyklus häufiger vorkommen.
  • Entwicklungstrend 8: Geschlechterstruktur
    Der prozentuale Anteil der Frauen an der Gesamtbevölkerung nimmt weiter ab. Insbesondere verschiebt sich die Geschlechterproportion bei den für die Reproduktion wichtigen Altersgruppen in Richtung eines Männerüberhangs.
  • Entwicklungstrend 9: regionale Bevölkerungsentwicklung
    Der Konzentrationsprozess von Bevölkerung und Infrastruktureinrichtungen zugunsten wirtschaftsstarker Zentren wird sich fortsetzen.
  • Entwicklungstrend 10: private Haushalte und Lebensformen
    Haushaltsgrößen und Lebensformen werden sich weiter wandeln.

Im Folgenden werden wichtige Eckdaten für die oben beschriebenen Entwicklungstrends aufgeführt. Weil es bei der 5. Regionalisierten Bevölkerungsprognose zwei unterschiedliche Varianten gibt, werden jeweils zwei Werte für 2025 genannt. Die beiden Varianten unterscheiden sich in den Annahmen zur Auslandswanderung, dem Wanderungsaustausch mit dem Bundesgebiet und der Geburtenhäufigkeit. Diese zwei Varianten markieren die Grenzen eines Korridors, in dem sich die Veränderung bei Fortsetzung der aktuellen demografischen Entwicklung bewegen wird.

Entwicklungstrend 1: Einwohnerzahl und Alterung

Während Anfang 1990 in Sachsen noch 4,9 Millionen Einwohner lebten, verringerte sich die Zahl bis Ende 2012 auf etwa 4,05 Millionen Einwohner.

Nach den Ergebnissen der aktuellen Prognose wird sich der Rückgang auf rund 3,8 bzw. 3,6 Millionen Einwohner bis zum Jahr 2025 fortsetzen. Das werden rund 9 bzw. 12 Prozent weniger Einwohner als 2011 sein.

Innerhalb von Sachsen verläuft die Bevölkerungsentwicklung unterschiedlich. Während die Kreisfreien Städte Dresden und Leipzig mit einem Einwohnerzuwachs nach der Variante 1 bzw. mit einem leichten Bevölkerungsrückgang für die Variante 2 der aktuellen Prognose bis 2025 gegenüber 2011 rechnen können, geht die Bevölkerungszahl in den zehn Landkreisen und der Kreisfreien Stadt Chemnitz zwischen 7,5 und 17,5 Prozent zurück.

Entwicklungstrend 2: Durchschnittsalter

Das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Sachsen kletterte von 39,4 Jahre im Jahr 1990 auf 46,5 Jahre im Jahr 2012. Auch im Prognosezeitraum bis 2025 wird die Bevölkerung weiter altern. Das Durchschnittsalter wird dann 49,3 bzw. 50,1 Jahre betragen. Sachsen war 2011 im bundesweiten Vergleich zweitältestes Bundesland nach Sachsen-Anhalt.

Entwicklungstrend 3: Altersstruktur

Der Anteil der jüngeren Bevölkerung unter 20 Jahren an der Gesamtbevölkerung sank im Zeitraum 1990 bis 2012 von 24 Prozent auf 15 Prozent. Dagegen erhöhte sich der Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 und mehr Jahren von 16 Prozent auf 25 Prozent. Während der Anteil der unter 20-Jährigen im Jahr 2025 nur bis zu rund einem Prozentpunkt höher sein wird als 2012, steigt der Anteil der 65-Jährigen und Älteren auf fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Die Bevölkerung im Erwerbsalter (20 bis unter 65 Jahre) wird bis zum Ende des Prognosezeitraumes im Jahr 2025 zahlenmäßig deutlich stärker schrumpfen und altern. Deren Anteil an der Gesamtbevölkerung wird sich von rund 60 Prozent im Jahr 2012 auf rund 54 bzw. 53 Prozent reduzieren. Besonders die Zahl der Bevölkerung ab 80 Jahren nimmt unablässig zu. 2025 wird fast jeder zehnte Einwohner in Sachsen 80 Jahre und älter sein.

Entwicklungstrend 4: Bevölkerungsdichte

Nach den Ergebnissen der aktuellen Bevölkerungsprognose wird sich die Bevölkerungsdichte in Sachsen von 220 Einwohnern je qkm im Jahr 2012 auf 205 bzw. 198 Einwohner im Jahr 2025 verringern. Damit wird der Freistaat auch im Jahr 2025 dichter besiedelt sein, als es bereits jetzt viele Regionen in Deutschland oder Europa sind.

Entwicklungstrend 5: Geburten

Nachdem sich die Geburtenzahlen bis 1994 gegenüber 1990 in Sachsen halbierten, stieg die Zahl der Lebendgeborenen wieder an und erreichte im Jahr 2010 einen neuen Höchstwert. Im Jahr 2012 wurden 34.686 Kinder lebend geboren, das war die zweithöchste Zahl seit 1990. 2012 lag die Geburtenrate in Sachsen bei etwa 1,5 Geburten pro Frau. Sie reicht aber noch nicht für den natürlichen Erhalt der Bevölkerung aus. Letztmalig wurde auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in den fünfziger Jahren das Bestand erhaltende Maß von 2,1 Geburten pro Frau erreicht, welches zur Reproduktion der Elterngeneration erforderlich ist. Trotz einer sich in den letzten Jahren positiv entwickelnden Geburtenrate wird die Zahl der Geburten bis 2025 von derzeit rund 34.700 auf 25.000 bzw. 22.000 zurückgehen. Ursache hierfür ist auch die rückläufige Anzahl potenzieller Mütter.

Entwicklungstrend 6: Bevölkerungsbewegung

Hauptursache für den Bevölkerungsrückgang seit 1990 mit fast zwei Dritteln ist und bleibt weiterhin, dass zu wenige Kinder geboren werden. Das Geburtendefizit zwischen 1990 und 2012 erreichte eine Höhe von rund 502.000. Verstärkt wurde und wird die Entwicklung durch Wanderungsverluste (rund 274.000 seit 1990). Zum zweiten Mal seit 1997 sind wieder mehr Personen in den Freistaat gezogen, als Sachsen verlassen haben. Während der Wanderungsgewinn 2011 noch bei rund 3.700 Personen lag, waren es 2012 rund 12.500. Die Wanderungsgewinne betreffen im Vergleich auf Kreisebene die drei Kreisfreien Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz und den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. In allen anderen Landkreisen haben sich jedoch auch die Wanderungsverluste abgeschwächt. Der Wanderungsgewinn reichte aber nicht aus, um das Geburtendefizit von rund 16.600 im Jahr 2012 zu kompensieren.

Nach den Ergebnissen der Prognose beziffert sich zum einen das Geburtendefizit im Zeitraum von Anfang 2012 bis Ende 2025 auf eine Gesamtsumme von 336.000 bzw. 370.000. Zum anderen wurden Wanderungsverluste zwischen 2.200 und 89.000 Personen vorausberechnet.

Entwicklungstrend 7: Lebenserwartung

Die Lebenserwartung neugeborener Jungen und neugeborener Mädchen stieg im Zeitraum von 1989 bis 2012 um jeweils rund sieben Jahre. Für neugeborene Mädchen liegt sie bei 83,3 Jahren, für neugeborene Jungen bei 77,5 Jahren. Prognostiziert wird eine Zunahme der Lebenserwartung in Sachsen bis 2025 bei den Frauen auf 86,3 Jahre und bei den Männern auf 81,6 Jahre.

Entwicklungstrend 8: Geschlechterstruktur

In Sachsen lebten Ende 2012 rund 2.072 Tausend weibliche und 1.979 Tausend männliche Personen. Der Anteil der weiblichen Bevölkerung lag damit bei 51 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ende 1990 waren noch 53 Prozent der Gesamtbevölkerung weiblichen Geschlechts.

Entwicklungstrend 9: regionale Bevölkerungsstruktur

Aufgrund der regional differenzierten Bevölkerungsentwicklung kommt den Ober- und Mittelzentren eine herausgehobene Bedeutung als Arbeitsplatzstandorte sowie als Kerne funktionsfähiger Regionen in Sachsen zu. Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Bautzen und Freiberg sind die Arbeitsplatzzentren mit über 20.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort und über 400 Beschäftigten je 1.000 Einwohner am 30. Juni 2013.

Entwicklungstrend 10: private Haushalte und Lebensformen

Die durchschnittliche Haushaltsgröße von 2,3 Personen je Haushalt im Jahr 1991 verminderte sich auf 1,9 Personen je Haushalt im Jahr 2012. Der Trend zu kleineren Haushalten hält seit 2001 an. Während die Anteile der Ein- und Zweipersonenhaushalte gestiegen sind, verringerte sich der Anteil der Haushalte mit drei, vier oder mehr Personen. Zur Verkleinerung der durchschnittlichen Haushaltsgröße tragen insbesondere der Rückgang der Geburtenhäufigkeit, die Zunahme der Lebenserwartung und die Zunahme der Zahl der älteren Menschen, welche hauptsächlich in Ein- oder Zweipersonenhaushalten leben, bei. Sachsen hat von allen Flächenländern den höchsten Anteil an Haushalten mit nur einer Person.

Die Summe der Lebensformen ohne Kinder hat sich in den letzten Jahren erhöht von 1.389 Tausend im Jahr 2000 auf 1.706 Tausend im Jahr 2012.

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